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Gerechtigkeit und Gleichgewicht

Gerechtigkeit und Gleichgewicht - Foto von ladruido im Waldviertel

„… und in der Kenntnis der Gerechtigkeit, die Liebe dazu“, so lautet das Gorsedd-Gebet.

Die Gerechtigkeit innerhalb des kapitalistischen Systems erkennt keinen Schaden an der unserer Erde oder den zukünftigen, noch ungeborenen Generationen zugefügt wird. Ohne Rücksicht auf Verluste geht es nur darum wie viel sie besitzen und was sie ausbeuten können. Die möglichen Konsequenzen werden von dieser Form der Gier vollständig ausgeblendet. Wahre Gerechtigkeit würde ganz anders aussehen als jene Systeme die man hier geschaffen hat.

Ohne Gerechtigkeit funktionieren die Bemühungen für den Erhalt einer intakten Umwelt nicht wirklich. Diejenigen, welche die Schäden in unserer Umwelt hauptsächlich zu verantworten haben, sind am wenigsten unmittelbar betroffen. Und jene, die an den Auswirkungen der Umweltschäden am meisten leiden, können am wenigsten dazu. Aus Armut und Verzweiflung können viele der betroffenen Menschen auch nicht mehr sonderlich umweltfreundlich handeln. Es ist jedoch nicht gerecht diese an den Rand gedrängten Menschen für ihre, dem Überleben dienenden Handlungen, verantwortlich zu machen. Die Auswirkungen des historischen Kolonialismus und des aktuellen geschäftsbasierten Kolonialismus müssen alle berücksichtigt werden.

Wir müssen unseren Standpunkt zum Schutz der Umwelt und unserer Mutter Erde von einer höheren Position aus betrachten. Das bedeutet, daß wir nicht jenen Menschen eine Schuld zuweisen, die aufgrund der Umstände, in denen sie leben, sich nicht engagieren können. Nicht jeder kann es sich leisten, in erneuerbare Energien für sein Zuhause zu investieren. Nicht jeder besitzt ein Haus. Nicht jeder hat die Möglichkeit, durch entsprechende Maßnahmen an seinem Eigentum Energie einzusparen oder diese sogar selbst zu erzeugen. Nicht jeder kann in seinem Garten Gemüse anbauen. Auch wenn die Menschen einen Garten haben, ist nicht jeder körperlich dazu in der Lage, die Arbeit zu bewältigen. Nicht jeder kann sich die plastikfreien Optionen, die biologischen Optionen oder den Bauernmarkt leisten. Wenn du über das nötige Einkommen verfügst, um umweltfreundlichere Einkaufsentscheidungen zu treffen, gehe bitte nicht davon aus, daß dies normal oder für jeden anderen auch so ist.

Wahre Gerechtigkeit

Echte Gerechtigkeit bedeutet mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Lebensmittel anzubauen. Es müssen alle Menschen die Möglichkeit haben, sich regionale und biologisch angebaute Lebensmittel leisten zu können. Es gibt viele Orte, an denen der Zugang zu anständiger Nahrung für die Menschen schwierig ist. Basierend auf zu wenig Einkaufsmöglichkeiten, gepaart mit einem Mangel an Transportmöglichkeiten. Gerechtigkeit bedeutet auch bezahlbarer Öffentlicher Personen Nahverkehr, der den ländlichen Raum nicht außer Acht lässt. Die ländliche Armut wird weitestgehend übersehen. Aus Erfahrung wissen wir, daß du auf dem Land leben kannst und trotzdem nicht genug Möglichkeiten hast, lokal angebautes Obst und Gemüse zu kaufen. Das Recht auf Gesundheit und gesunde Ernährung ist ein Menschenrecht, in das wir aber nicht wirklich investieren.

Gerechtigkeit bedeutet Zugang zu Grünflächen. In einigen Teilen der Welt bedeutet das Vorhandensein von natürlichem Grün Leben. Es geht dann darum, daß wir die Menschen dort nicht in solch verzweifelter Armut zurücklassen, daß sie Bäume fällen oder kleine Wälder für eine kurzfristige landwirtschaftliche Nutzung roden. Das mag aus der Sicht von uns in Europa sehr weit entfernt erscheinen. Wir müssen aber berücksichtigen, für welche Arten von Feldfrüchten wir Geld bezahlen. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, welche Auswirkungen dies auf jene Gebiete hat, wo diese Feldfrüchte angebaut werden.

Unser Verlangen, das ganze Jahr über immer alles zur Verfügung zu haben (Kaffee, Tee, Blumen, Gemüse und Früchte) führt dazu, daß Menschen in anderen Teilen der Welt Pflanzen für uns anbauen, anstatt sich selbst zu ernähren. Es gibt keine Gerechtigkeit in einem System, wo viele Landwirte bei Saatgutunternehmen verschuldet sind und folglich nicht mehr dazu in der Lage sind, ihre eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Es ist nicht gerecht, einem Bauern weniger zu zahlen, als es ihn kostet, diese Lebensmittel zu produzieren.

Für viele von uns gibt es im Alltag nicht genügend Möglichkeiten, mit dieser Art von Ungerechtigkeit umzugehen. Was wir am ehesten tun können, ist es zu vermeiden, weitere Ungerechtigkeiten zu erzeugen. Dazu gehört es zum Beispiel, daß wir Menschen nicht für etwas verurteilen, was außerhalb ihrer Kontrolle liegt. Spare dir deine Kritik auf für Leute, die in den Urlaub ins Ausland fliegen, jedes Jahr ein neues Auto kaufen und Kleidung wegwerfen, die sie nur einmal getragen haben. Diese Handlungen erfolgen nicht aus Armut oder Verzweiflung, sondern aus dem Privileg, über genügend finanzielle Mittel zu verfügen, die falsch eingesetzt werden.

Gerechtigkeit und Gleichgewicht

Wenn du selbst genügend Mittel zur Verfügung hast, dann denke darüber nach, was du persönlich teilen oder verschenken kannst. Suche nach Schenk- und Tauschbörsen. Es gibt einige faszinierende Projekte da draußen die Werkzeuge und Autos teilen, zu viele oder unabsichtlich gekaufte Lebensmittel in Gemeinschaftskühlschränke füllen, kompostierbare Materialien von Menschen, die selbst keinen Garten haben, verwerten, und vieles mehr. Diese Art des Teilens ist gut für die Umwelt und öffnet die Tür für Menschen, die sonst ausgeschlossen sind. Wenn wir verhindern können, daß Lebensmittel auf Mülldeponien landen, indem wir diese an Bedürftige umleiten, wenn wir die Probleme der Armut lindern können, indem wir Dinge teilen, dann helfen wir der Umwelt und wir helfen einander. Luftverschmutzung tötet zuerst die Schwächsten. Fehlende Isolierung tötet im Winter Kranke und Alte. Armuts Diät macht krank.

Armut zwingt die Menschen dazu, billigere Dinge mit kurzer Lebensdauer und geringem Wiederverwendungs- oder Recyclingpotenzial zu kaufen. Es ist auch schwierig an Ihrem Umweltbewusstsein zu arbeiten, wenn Sie nicht wissen, wie Sie sich in dieser Woche ernähren sollen. Wenn sie sich den Strom nicht leisten können, dann macht sie das vielleicht ein bisschen umweltfreundlicher. Es gibt ihnen aber nichts an die Hand, um sich für wirkliche Veränderungen einzusetzen.

Wahrhaftes Einbeziehen (inklusion) ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Viele politische Räume werden von älteren weißen Männer, und inzwischen auch Frauen, der konservativen Mittelklasse mit einem Hauch von Arroganz und Selbstüberschätzung dominiert. Jeder, der nicht nach deren Spielregeln spielt, wird gnadenlos ausgeschlossen. Wir brauchen Räume, wo echtes Gefühl zulässig ist. Wo sanftere, sensible Menschen nicht einfach niedergeschrien werden. Wo schüchterne, ängstliche oder traumatisierte Menschen nicht einfach ausgeschlossen werden. Wir brauchen Räume, in denen das, was sie von anderen unterscheidet, kein Hindernis für die Teilnahme darstellt. Inklusion und Gerechtigkeit erfordern auch Bildung. Viele Menschen scheitern an ihrer Schulerfahrung. Zeit- und Geldmangel sowie unsere begrenzten Vorstellungen einer sinnvollen Bildung sind Teil dieser Mischung. Mangelnde politische Bildung untergräbt die Fähigkeit, sinnvolle gesellschaftliche Strukturen zu schaffen.

Menschen dazu zu bewegen, sich einzubringen, kann bedeuten, daß sie ihre Geschichte überwinden. Es kann bedeuten, daß sie sich über ihren Einflüsterungen, sie seien nutzlos, wertlos und hätten nichts zu bieten, hinwegsetzen. Es kann bedeuten, daß den Menschen Fähigkeiten beigebracht werden. Es kann ihnen helfen, sich aus eigenem Wunsch einbringen zu wollen. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit würdevoll, respektiert, einbezogen und willkommen zu sein. Manchmal bedeutet es auch nicht im Wege zu stehen und die Menschen für sich selbst handeln zu lassen, anstatt zu versuchen ihnen zu sagen, was für sie am besten ist. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist es, daß man anderen Menschen auch wirklich zuhört. Nur so verstehen wir wirklich, was sie von dir brauchen oder was sie wirklich nicht von dir wollen. Gehe damit sehr offenherzig um.

QUELLE: Textauszug aus dem Buch Druidentum Heute. Das Buch kann als Druckversion oder als EPUB direkt über den Verlag bestellt werden.

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